Blühende Nachhaltigkeit

27. August 2023

In der Ausgabe 25 des SKILLS Magazins haben wir bereits ein Interview mit dem WorldSkills Germany-Bundestrainer der Florist*innen Björn Kroner-Salié zum Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Branche geführt.

Für weitere Hintergründe zum Thema haben wir darüber hinaus mit Roland Maierhofer, Geschäftsführer des Fachverbands Deutscher Floristen (FDF) Landesverband Bayern, gesprochen.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit im Florist*innenberuf?

Floristen sind seit jeher aus wirtschaftlichen Gründen sensibilisiert im Umgang mit Ressourcen. Nachhaltigkeit bedeutet ja nicht nur, umweltschonend und ressourcenschonend zu agieren. Eine ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ist genauso wichtig. Hier haben inhabergeführte Blumenfachgeschäfte bereits viele jahrzehntelange ein Augenmerk drauf. 

Wie wird das Thema Nachhaltigkeit in der Floristik-Ausbildung umgesetzt?

Derzeit ist eine neue Ausbildungsordnung für Floristen in der Entwicklung.

Der Fachverband Deutscher Floristen hat durch seinen Fachausschuss für Ausbildung schon zahlreiche Inhalte dazu ausgearbeitet und zusätzlich Wünsche der Branche mit eingebracht. Die Veröffentlichung wird sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da derzeit ein erster Eckdatenentwurf durch die Sozialpartner diskutiert wird. Der Fachausschuss des Bundesverbandes Deutscher Floristen hat bereits vor der Coronazeit eine Neuausrichtung des Berufs mit nachhaltigen Themen entwickelt. Dabei wurde darauf eingegangen, dass Floristen im Sinne einer ökonomischen, ökologischen und sozial nachhaltigen Entwicklung agieren sollen, was die Materialbeschaffung, Verarbeitung und Entsorgung betrifft.

Die Standardberufsbildpositionen sind ohnehin seit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes fest vorgegeben. Es wird vermehrt auf Umweltverträglichkeit geachtet, schon allein was die Vermeidung von Abfällen, verantwortungsvollem Umgang mit der Ressource Wasser, vermehrtem Einkauf von regionalen Blumen und Pflanzen, Reduzierung bei der Nutzung von industriellem Steckschaum und dem Ausrangieren von Geschenkfolie angeht. Auch neue Gesetze wie die Verpackungsverordnung oder neue kommunale Friedhofsverordnungen berühren und bestimmen die Handlungsweisen des modernen Floristen. 

Gibt es in der Floristik Projekte oder Bestrebungen hinsichtlich eines regionalen und nachhaltigen Anbaus von Pflanzen?

Viele Floristen legen immer mehr Wert auf das Vorhalten von regionalen Produkten, und kaufen vermehrt in naheliegenden Gärtnereien. Natürlich lässt sich dadurch nicht das gesamte Sortiment abbilden. Auch sind durch die sogenannte Slow Flower-Bewegung weitere Anbieter entstanden, die umweltverträglich Blumen anbauen und in Eigenvermarktung vertreiben. 

Wie wird mit den regionalen und nachhaltigen Projekten und Bestrebungen in der Floristikbranche umgegangen?

Bezeichnenderweise gibt es dazu regelmäßig Untersuchungen zu den umsatzstarken Tagen der Florist*innen, z. B. Valentinstag und Muttertag. Viele Florist-Fachgeschäfte bieten Fair Trade-Produkte an und bezahlen dafür einen wesentlich höheren Preis als für herkömmliche Produkte. Umso ärgerlicher ist es, wenn es dabei „schwarze Schafe“ gibt, die sich nicht an die Vorschriften und zertifizierten Standards halten. Der FDF Landesverband Bayern arbeitet derzeit mit Partnern an einer eigenen Zertifizierungsmaßnahme für Blumenfachgeschäfte, dem sogenannten „Sustainable Florist“ (Nachhaltiger Florist). So sollen innerdeutsche Standards, verbunden mit regelmäßigen Kontrollen und Dokumentationen, dafür sorgen, dass solche „Ausreißer“ in Zukunft nicht mehr passieren. 

Wie wird Digitalität in die Ausbildung oder deinen Berufsalltag integriert? 

Mittlerweile besitzt jedes Blumengeschäft eine Internetseite, und ein großer Teil benutzt auch Social Media-Kanäle für Online-Werbung. Das digitale Führen von Ausbildungsnachweisen und Bestellen in Blumen-Online-Portalen sollen in der neuen Ausbildungsordnung umgesetzt werden. Außerdem werden Inhalte mit digitaler Fotografie berücksichtigt. Das Fotografieren mit dem Smartphone ist die eine Seite. Aber Aufmerksamkeit und Interesse erweckt man nur mit qualitativ wertigen Fotos, die häufig bearbeitet werden müssen. Da dies jedoch weder im Betrieb noch in der Berufsschule vermittelt werden kann, wäre es als Teil einer überbetrieblichen Maßnahme denkbar. Da ist der Fachausschuss noch mitten in der Erarbeitung der Ausbildungsordnung. 

Welche digitalen und oder nachhaltigen Anregungen haben Sie für den Beruf Florist*in?

Der Beruf Florist wird natürlich immer geprägt sein vom Umgang mit analogen, duftenden und schönen Blumen, weshalb der Großteil der Arbeit meines Erachtens nicht digitalisierbar ist. Ich persönlich finde das auch schön. Dennoch haben Dinge wie Online-Kundenberatung sowie Hochzeits- und Trauerberatung eine Zukunft.

Weitere Informationen finden Sie hier >>>

Weitere Fachbeiträge und Best-Practices finden Sie in vergangenen Ausgaben des WorldSkills Germany Magazins

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