70 Jahre Erfolgsgeschichte: Deutschland feiert Mitgliedschaft bei den internationalen Berufswettbewerben

21. November 2023

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„Diese Mitgliedschaft ist so immens wichtig für die berufliche Bildung in Deutschland. Seit vielen Jahrzehnten stehen wir im Austausch mit den globalen Bildungslandschaften, erhalten wertvolle Impulse und können unseren Beitrag in dieser weltumspannenden Organisation leisten“, betonte Hubert Romer, Offizieller Delegierter und Geschäftsführer von WorldSkills Germany. „Kaum auszudenken, was wäre, wenn Deutschland nicht Mitglied in dieser Weltgemeinschaft wäre. Tausende junge Fachkräfte sind durch die Beteiligung an den Berufswettbewerben inspiriert und geformt worden. Sie sind allesamt wichtige Botschafter*innen ihrer Berufe und haben unzählige andere junge Menschen damit beeinflusst. Uns würde ein wichtiger Baustein in unserer Bildungslandschaft fehlen. Die Lebensgeschichten vieler WorldSkiller, die wir erleben durften, belegen: WorldSkills wirkt.“

Pionierreise zu den Internationalen Berufswettbewerben

Vor 70 Jahren wagte eine deutsche Delegation aus Wuppertal die mutige Reise nach Madrid, um an den Internationalen Berufswettbewerben teilzunehmen. Trotz der Sorgen und Bedenken aufgrund der vergangenen Kriegszeit wurden sie herzlich und offen in ganz Europa empfangen. Die Begegnung mit jungen Fachkräften und die Erfahrungen, die sie in den Wettbewerben machten, veränderten alle Beteiligten nachhaltig. So ist Deutschland bis heute die einzige Nation, die seit 1953 ununterbrochen an den damals sogenannten Internationalen Berufswettbewerben und heutigen WorldSkills teilnahm.

Das Jubiläum nahm WorldSkills Germany als nationale Mitgliedsorganisation von WorldSkills International zum Anlass, um am 9. November 2023 in Berlin zu einem Festabend zu laden. Rund 200 Gäste aus dem In- und Ausland erlebten einen Abend voller Höhepunkte, mit faszinierenden Geschichten von Zeitzeugen, Dankesworten der nationalen und internationalen Förderer und Partner und musikalischen sowie visuellen Highlights aus den vergangenen Jahrzehnten. Durch den Abend führte TV-Moderatorin Petra Bindl, mit Live-Musik unterhielt die beliebte Berliner Coverband Birddogs.

WorldSkills Germany: Eine Geschichte der internationalen Zusammenarbeit und Innovation in der dualen beruflichen Bildung

Michael Hafner, Vorstandsvorsitzender von WorldSkills Germany, betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der Mitgliedschaft bei WorldSkills: „WorldSkills International als globale Organisation beweist, wie wir es gemeinsam friedlich und gesellschaftsübergreifend schaffen, gemeinschaftliche Ziele analog dem Olympischen Gedanken umzusetzen. Wir haben es gemeinsam erreicht, durch die Wettbewerbe internationale Standards zu setzen, die aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Bildungssysteme resultieren.“

Seit dem Beitritt zur WorldSkills-Gemeinschaft 1953 trägt Deutschland mit seiner Expertise zur Weiterentwicklung der Internationalen Berufswettbewerbe bei. „In den 60er Jahren haben Deutschland, Österreich und die Schweiz mit ihrer dualen beruflichen Bildung einen starken Einfluss gehabt auf die WorldSkills-Bewegung“, bestätigte Hubert Romer auf der Bühne. „Wir haben die Berufsbeschreibungen in die Wettbewerbe und Wettkampfaufgaben eingebracht und mitgeholfen, dass sich die WorldSkills über die Iberische Halbinsel hinaus weiterentwickelt haben.“

Unter den Gästen des Abends waren Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der OECD, der UNESCO und weiterer in- und ausländischer Bildungsorganisationen. Darüber hinaus feierten zahlreiche Mitglieder von WorldSkills Germany – Unternehmen, Berufsverbände, Bildungseinrichtungen – sowie Vertreter anderer WorldSkills-Mitgliedsnationen das 70-jährige Jubiläum.

Eine Reise durch 70 Jahre internationale berufliche Bildung, Exzellenz und persönliche Entwicklung

Einer, der von dieser voranschreitenden Internationalisierung profitierte, war Uwe Severins. Er nahm für Deutschland 1970 an den ersten Internationalen Berufswettbewerben außerhalb Europas teil und kehrte aus Tokio mit einer Bronzemedaille in der Wettkampfdisziplin „Drehen“ zurück. Allein die Reise war für Severins ein großes Highlight: „Für einen jungen Burschen von 19 Jahren wie mich war das 1970 unvorstellbar. Das Fliegen war wirklich privilegiert für ganz Wenige und der Eiserne Vorhang war so hoch, dass man 4000 Kilometer Umweg fliegen musste im Vergleich zum direkten Weg. Wir flogen von Frankfurt über Hamburg, den Nordpol und Anchorage nach Japan. Ich habe heute noch das Zertifikat von der Polüberquerung.“

In ihren Videogrußworten zog Prof. Dr. Sabine Döring, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Parallelen zur Bedeutsamkeit der 1970er Jahre auch für die Entwicklung der beruflichen Bildung in Deutschland und betonte: „Damals wie heute bleiben beruflich qualifizierte Menschen auf der Suche nach bestem Handeln, innovativen Lösungen und cleveren Ansätzen, also dem, was wir als Exzellenz bezeichnen und im BMBF sehr bewusst fördern. Als berufliche Champions zeigen die deutschen WorldSkills-Teams, dass sich Anstrengung lohnt und unser Berufsbildungssystem die Voraussetzung für tolle Leistungen bietet.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist seit vielen Jahren Förderer der Teilnahme Deutschlands an der Europameisterschaft und Weltmeisterschaft der Berufe und unterstützt darüber hinaus die Auswahlwettbewerbe auf nationaler Ebene sowie die Trainings für die EuroSkills und WorldSkills.

45 Jahre nach Uwe Severins war es Daniel Reimann der sich auf die lange Reise zur 1. Weltmeisterschaft der Berufe in Südamerika begab, nach Brasilien. Bei den WorldSkills São Paulo 2015 wurde er in der Disziplin „Webdesign“ mit der Exzellenzmedaille ausgezeichnet und kehrte mit einer Mission nach Deutschland zurück: „Ich war vor meiner WM-Teilnahme nicht der größte Fan vom dualen Ausbildungssystem. Aber durch den internationalen Vergleich und den Austausch habe ich gemerkt, wie gut wir es hier eigentlich haben und was das schon für ein tolles System ist. Seitdem bin ich eigentlich ein Kämpfer dafür. Überall wo ich danach beruflich war, habe ich dafür gesorgt, dass wir nicht nur duale Studenten haben, sondern auch mehr in die Ausbildung gehen.“

Als internationale WorldSkills-Vertreterin beglückwünschte Laurence Gates, Member of the Board von WorldSkills International und CEO von WorldSkills Europe, beim Festabend Deutschland und insbesondere WorldSkills Germany und sein Netzwerk: „Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team für das Erreichen dieses unglaublichen Meilensteins. Ich bin zwar etwas zu jung, um für alle 70 Jahre zu sprechen, aber ich hatte das Glück, über ein Jahrzehnt mit dem Team von WorldSkills Germany zusammenzuarbeiten, und in dieser Zeit habe ich eure Leidenschaft für Skills wirklich sehr bewundert. Anlässe wie der 70. Jahrestag bieten die Gelegenheit zum Nachdenken und in die Zukunft blicken, wie wir gemeinsam als Arbeitgeber, Ausbilder, politische Entscheidungsträger und Partner vorankommen können.“

Internationale Konferenz und Vorbereitung auf die Europameisterschaft der Berufe 2027

Wie ein solches gemeinsames Vorankommen in der beruflichen Bildung aussehen kann, darüber sprachen am 9. November – dem Festabend vorausgehend – über 60 Gäste bei der von WorldSkills Germany veranstalteten internationalen Konferenz „Worldwide Policy Cooperation for Excellence in VET“. Moderiert von Hubert Romer und gefördert und inhaltlich mitgestaltet durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, kamen u. a. Vertreterinnen und Vertreter der UNESCO, OECD, EU-Kommission, diverser Bildungsministerien und des WorldSkills-Netzwerks zusammen, um sich mit möglichen gemeinsamen Nennern für die interregionale Berufsbildungszusammenarbeit zu befassen.

Als einen Bestandteil solcher gemeinsamer Arbeit sieht WorldSkills Germany auch die Weiterentwicklung der internationalen beruflichen Wettbewerbe. In der Tat blickt Deutschland diesbezüglich in eine ereignisreiche Zukunft, denn im September 2027 richtet Deutschland gemeinsam mit Luxemburg die Europameisterschaft der Berufe aus. Die Hauptwettbewerbe finden dann in Düsseldorf statt. Es ist das erste Mal, dass die internationalen Berufswettbewerbe partnerschaftlich von zwei Nationen ausgetragen werden. Hubert Romer, Geschäftsführer der EuroSkills 2027 GmbH, wünscht sich mit der Ausrichtung der EM der Berufe, „dass die WorldSkills-Bewegung dort andockt, wo wir heute bei unserer wunderbaren Konferenz aufgehört haben. Dass aus diesem Sprechen ein Handeln wird, mit WorldSkills. Denn wir sind ein wichtiger Bestandteil in der beruflichen Bildung. WorldSkills ist wie ein Spiegel mit all seinen Wirkungen zurück in die berufliche Bildung aber auch in die Welt hinaus.“

Von WorldSkills Germany ausgezeichnet wurden beim Festabend schließlich Persönlichkeiten, die sich in der Vereinsgeschichte besonders verdient gemacht haben und auch dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde eine Urkunde und Stele zum Dank für die langjährige Zusammenarbeit überreicht.

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