Exzellenzmedaillen-Gewinner setzt auch im eigenen Betrieb auf Qualität

26. November 2021

Exzellenzmedaillen-Gewinner setzt auch im eigenen Betrieb auf Qualität

Dieser Beitrag erschien in Auszügen im WorldSkills Germany Magazin – Ausgabe 21 (Dezember 2021). Lernen Sie unser Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen kennen >>

2017 belegte Vitus Pirschlinger (25) mit seinem Kollegen Michael Schmidt bei den WorldSkills in Abu Dhabi den 6. Platz in der Disziplin "Landscape Gardening". Es wäre mehr drin gewesen, wenn sie am Anfang nicht zu genau gearbeitet und Zeit verloren hätten. Dafür gewannen sie eine "Exzellenzmedaille". Qualität ist für Pirschlinger bis heute unverzichtbar. Anfang 2021 hat er sich mit einem Landschaftsbauunternehmen selbstständig gemacht und beschäftigt bereits drei Angestellte: alle mit Meisterbrief.

Die Frage nach dem richtigen Beruf war nie Thema für Vitus Pirschlinger, denn schon als Kind arbeitete er gerne bei einem Verwandten im Landschaftsbau mit. 2013 bis 2016 machte er seine Lehre im Garten- und Landschaftsbaubetrieb Gaissmaier in Freising und "da wurden wir schon früh gefragt, ob wir bei Berufswettkämpfen mitmachen wollen. Wir dachten, wir probieren es mal aus und haben einfach unser Glück probiert.

WorldSkills-Champion Vitus Pirschlinger ist heute selbst Unternehmer und möchte in Zukunft jungen Menschen eine Top-Ausbildung ermöglichen. (Foto: Vitus Pirschlinger)

Wir, das waren Vitus Pirschlinger und sein Azubi-Kollege Michael Schmidt. Fast beiläufig erzählt Vitus Pirschlinger in seinem bayerischen Dialekt von den ersten Erfolgen: "Erst die bayerische Ebene, dann die deutsche und so sind wir in die WorldSkills-Ebene gerutscht. Man fängt einfach mal an und wenn man Erster wird, dann ist es fast eine Pflicht, weiterzumachen."
Vor den WorldSkills in Abu Dhabi im Oktober 2017 wurden die Vorbereitungen dann aufwendiger: "Man muss schon
überzeugt sein und seine Freizeit opfern wollen. Sonst macht es keinen Sinn." Rund einen Monat trainierten die beiden intensiv, intern im Betrieb und an der DEULA in Freising-Weihenstephan. Die Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik ist das Berufsbildungszentrum für die grüne Branche mit der "Akademie Landschaftsbau Weihenstephan" (alw) als Tochterunternehmen. "Dort hatten wir praktisch einen eigenen Trainer für uns."

Umgang mit Druck und Konflikten

Vor dem Flug nach Abu Dhabi ging es drei Tage ins Trainingscamp, inklusive mentaler Vorbereitung. Speziell diese Vorbereitung von WorldSkills Germany erlebte Pirschlinger als sehr professionell: "Am Anfang fängt man das halt an und hat Spaß. Aber dann macht man nicht nur aus Gaudi weiter, sondern will schon auch ein Ziel erreichen." Bei der mentalen Vorbereitung ging es darum, wie man mit anderen umgeht, mit Druck, mit schwierigen Themen. "Wir konnten mit Vertrauenspersonen über Konflikte reden, denn es gab auch mal einen Disput. Das ist ja auch alles Freizeit, die wir da reinstecken."

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Das Schwierigste in der Vorbereitungszeit war, die Motivation hochzuhalten: "Du investierst über Wochen viel körperliche Arbeit, im Prinzip wie auf einer Baustelle, nur alles im Kleinformat: kleine Terrasse, Brunnen, Mauer, Sichtschutz - es wird immer versucht, möglichst viele Elemente in den Wettkampfaufgaben unterzubringen. Man arbeitet ohne Maschinen, alles in Handarbeit. Es geht nicht um die Masse, sondern um das Handwerkliche. Und nach jedem Training musst du alles wieder wegbauen. Das ist ein großer Unterschied zum Berufsalltag, wo man jeden Tag sieht, was man geschafft hat. Und das bleibt.“

Den Wettkampf im Oktober 2017 empfand der damals 21-Jährige als angenehm – auch wenn es nicht optimal lief. Die Landschaftsbauer/innen bekommen für ihr Baufeld einen Plan und ein Leistungsverzeichnis, wie auf einer normalen Baustelle: "So kannten wir das, aber in Abu Dhabi war das etwas chaotisch." Anfangs lief deshalb einiges schief: "Wir haben mehr auf Präzision gearbeitet und waren dann am Ende des ersten Wettkampftags nicht fertig, dementsprechend haben viele Punkte gefehlt. Dann haben wir uns auf dieses Bewertungssystem eingestellt und die nächsten drei Tage liefen besser." Es reichte für den sechsten Platz von 23 Teilnehmenden und eine Exzellenzmedaille. Die bekamen die beiden für ihre
herausragende Qualität.

Erleichterung nach dem Abpfiff. Vitus Pirschlinger, Michael Schmidt und ihr Bundestrainer Johannes Gaugel am letzten Wettkampftag der WorldSkills Abu Dhabi 2017. (Foto: Frank Erpinar)

Bestmögliche Leistung bringen

Der besondere Moment in Wettkämpfen war für Vitus Pirschlinger immer das Ende: "Du schaust in der letzten halben Stunde, dass du die bestmögliche Leistung bringst. Dann kommt der Schlusspfiff und das tolle Gefühl, dass du es geschafft hast." Weniger lieb ist ihm das Danach, die Interviews: „Das habe ich immer auch als ein bisschen aufdringlich empfunden. Ich bin nicht der Mensch, der sich selber lobt.“ Ihm würde ein bayerisches "Hot scho passt!" ausreichen.

Was bleibt?

"Grundsätzlich wird man durch die Wettkämpfe selbstbewusster, lernt viele Leute kennen, hat viele Kontakte. Ich kann daraus nur positive Erfahrungen ziehen und würde das jedem Azubi empfehlen, der die Möglichkeit hat." Diese Erfahrungen haben auch seinen Plan bestärkt, sich selbstständig zu machen. Bereits im zweiten Lehrjahr wollte er nebenher arbeiten. Schwarzarbeit kam für ihn nicht in Frage: "Also hat mein Vater eine Firma auf seinen Namen gegründet und so konnte ich nebenbei Baustellen abwickeln." Erste Maschinen wurden angeschafft. Nach Abu Dhabi ging er 2018 bis 2020 ein Jahr auf die Meister- und ein weiteres auf die Technikerschule.

Zwar gibt es für Landschaftsbaubetriebe keine Meisterpflicht – "leider. Aber ich habe die zwei Jahre Schule gemacht, weil ich davon überzeugt bin, dass das dazugehört, wenn man sich selbstständig macht. Das muss Hand und Fuß haben".
Zum 1. Januar 2021 übernahm er die von seinem Vater gegründete Firma in Erding (Ortsteil Indorf) in Eigenregie und hatte schon nach kurzer Zeit drei Festangestellte. Sie kommen alle aus dem Bekanntenkreis und haben alle einen Meisterbrief. "Betriebswirtschaftlich bleibt vielleicht ein Euro weniger übrig, aber lieber zahle ich ein gutes Geld und die Qualität passt. Dann ist auch der Kunde zufrieden. Ich mag es eher immer 110-prozentig, nicht nur 100-prozentig."
Natürlich muss auch sein Verdienst passen und das Geld für Investitionen reichen. Pirschlinger legt großen Wert auf moderne Maschinen, mit denen sich sicher und arbeitskraftschonend arbeiten lässt. Rund eine halbe Million Euro hat er investiert. "Und wenn ein Mitarbeiter kommt und sagt ‚da gäb’s was, was besser funktioniert‘, dann probieren wir das aus. Und wenn es klappt, dann schaffen wir das an." Auch in das soziale Umfeld und die Arbeitskleidung investiert er. Manchen ist er deshalb zu teuer, aber auf der anderen Seite "kommen Kunden und wissen, dass ich Deutscher Meister war und bei den Weltmeisterschaften."

Ausbildung im Blick

Einen Azubi wollte er eigentlich gleich im September 2021 einstellen, doch jetzt muss die Firma erst einmal laufen und alles Hand und Fuß haben. "Aber 2022 soll einer kommen und wenn er will, dann soll er auch an Wettbewerben teilnehmen." Grundsätzlich findet Pirschlinger das Ausbildungssystem für Landschaftsgärtner/innen "relativ gut. Der blockmäßige Unterricht in der Berufsschule erhöht meiner Meinung nach den Lernerfolg. Man kann sich jeweils besser auf die Arbeit und auf die Schule konzentrieren." Allerdings hängt die Qualität der Ausbildung stark vom Ausbildungsbetrieb ab. "Wir haben zum Beispiel zusätzlichen Unterricht bekommen oder im Winter auch in anderen Betrieben gearbeitet. Das ist nicht überall so."
Er selbst möchte natürlich vorbildlich ausbilden. "Die Grundausbildung in der Berufsschule ist die Voraussetzung, die zusätzlichen Möglichkeiten liegen im Betrieb: zum Beispiel Umgang mit Materialien; wie schreibt man einen Tagesbericht; Lehrlingsaustausch mit anderen Betrieben; im Winter Unterricht in der eigenen Werkstatt oder übergreifende Arbeiten wie die Pflege von Maschinen; oder kleine Prüfungen in der Betriebshalle, damit Azubis für die Prüfungen üben. Dafür braucht es einen richtigen Ausbilder, einen, der sich Zeit für die Azubis nimmt und das gerne macht."
In bester Erinnerung hat er die überbetrieblichen Angebote der DEULA Freising. "Da gibt es viele Kurse, vom personalen Training übers Buchhalterische bis zum Handwerklichen. Da könnte man Überberufliches zusammenfassen. Das wäre vor allem positiv für verwandte Berufe, weil man von jedem etwas mitnehmen kann."
Eine zunehmend wichtige Rolle spielt auch im Landschaftsbau die IT. "Zum Beispiel können die Azubis ihre Berichtshefte mittlerweile auch online schreiben." Auf den Baustellen sind immer mehr Tablets vor Ort und in vielen großen Firmen ist die Umstellung angelaufen: "Die haben zum Teil eigene Software programmiert, weil die vorhandenen Programme noch nicht ausgereift sind. Bei uns als kleinem Betrieb ist noch nicht alles digitalisiert, weil nicht so viel Schreibkram anfällt. Aber in den nächsten fünf Jahren, wenn das Ganze ausgereift ist, bin ich schon ambitioniert, alles umzustellen."

Weitere Fachbeiträge und Best-Practices finden Sie im WorldSkills Germany Magazin, dem Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen.

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Vitus Pirschlinger (r.) und sein Teamkollege Michael Schmidt zeigten bei der WM der Berufe, dass sie selbst eine Top-Ausbildung genossen hatten. (Foto: Jörg Wehrmann)

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