Kompetenzen für die Zukunft

25. Juli 2021

Persönlichkeitsbildung in der Schule

Dieser Beitrag erschien in Auszügen im WorldSkills Germany Magazin – Ausgabe 20 (August 2021). Lernen Sie unser Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen kennen >>

Autor: Frank Henssler
Frank Henssler ist Senior Referent Bildung bei der Karl Schlecht Stiftung. Er verantwortet das Management von Förderprojekten für Lehrkräfte und Schüler/innen zur ethischen Wertebildung, Entrepreneurship Education, Kulturellen Bildung und der Leadership Education.

Die Welt verändert sich. Das stellt Schulen vor die Herausforderung, die werteorientierte Persönlichkeitsbildung junger Menschen stärker in den Fokus zu rücken. Die Karl Schlecht Stiftung sieht hierin die wesentliche Voraussetzung für „Good Leadership“ in Wirtschaft und Gesellschaft. Mit innovativen Lehr-Lernformaten unterstützt sie allgemeinbildende und berufliche Schulen dabei, die Persönlichkeit von Schüler/innen zu entfalten.

Obwohl Persönlichkeitsbildung ein lebenslanger Prozess ist, werden die entscheidenden Grundlagen dafür in der Kindheit und frühen Jugend gelegt. Schule als Bildungsort, der alle Kinder und Jugendlichen erreicht, kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Gleichzeitig stellt sich in einer sich dynamisch verändernden, von Unsicherheiten geprägten, komplexen, digitalisierten Welt zunehmend die Frage, wie junge Menschen sich heute auf die (Arbeits-) Welt von morgen vorbereiten können. Immer deutlicher wird, dass die Vermittlung von Wissen, Zahlen und Fakten nicht mehr alleine im Vordergrund der schulischen Bildung stehen kann - denn mittlerweile weiß Google alles. Es geht vielmehr darum, zu lernen, was man mit diesem Wissen tun kann (vgl. SCHLEICHER, A., 2014) und den Blick stärker auf überfachliche, personale Kompetenzen zu richten. In diesem Zusammenhang rücken die sogenannten „4 C's “ in Deutschland immer mehr in den Fokus bildungspolitischer Debatten. Gemeint sind die vier Zukunftskompetenzen „Creativity“ „Critical Thinking“, „Communication“ und „Collaboration“. Das SINUS Institut hat im Auf-trag der Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) diese vier C's um zwei weitere, „Charisma“ und „Coolness“, zu den „6 C's“ ergänzt. Damit Schule solche zukunftsrelevanten Kompetenzen nachhaltig fördern kann, braucht sie eine neue „Grammatik auf allen Ebenen“ (SLIWKA, A., KLOPSCH, B., 2020). Sie steht damit vor der Aufgabe, eine neue zeitgemäße Lehr- und Lernkultur zu etablieren, die von „professioneller Kommunikation“ mit Schüler/innen und Eltern, der Kollaboration zwischen den Lehrkräften sowie der Einbindung außerschulischer und virtueller Lernorte geprägt ist (ebenda). In einer solchermaßen „transformierten“ Schule haben selbstorganisiertes Lernen, Projektunterricht sowie spiel-basiertes und forschendes Lernen ihren festen Platz im Unterrichtsalltag. Anhand der folgenden Beispiele aus der Förderpraxis der Karl Schlecht Stiftung wird illustriert, wie Schulen diese Transformation erfolgreich gelingen kann:

Foto: Frank Henssler

Lernen durch Engagement

„Man sieht förmlich, wie die Schüler/innen über sich hinauswachsen“, fasst eine Lehrkraft an der Freiburger Albert-Schweitzer-Schule III den Mehrwert von Lernen durch Engagement (LdE) aus ihrer Sicht zusammen. LdE ist eine Lehr- und Lernmethode, die gesellschaftliches Engagement von Schüler/innen mit fachlichem Lernen verbindet. Schüler/innen aller Schularten und Altersstufen entwickeln und gestalten – als Teil von Unterricht und Lernen – gemeinnützige Projekte in ihrer Kommune. Sie wenden ihr in der Schule erworbenes Wissen an, indem sie sich für andere Menschen und/oder aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen einsetzen. Die Schüler/innen erwerben dadurch eine Vielzahl an Zukunftskompetenzen. Denn durch die Übernahme von Verantwortung erleben sie Selbstwirksamkeit, stärken ihr Selbstwertgefühl und entwickeln so „Charisma“. Sie trainieren überdies ihre Team- und Kommunikationsfähigkeit („Collaboration“ und „Communication“). Besonders für Schüler/innen aus schwierigen sozialen Lagen trägt LdE außerdem zur Förderung von Resilienz („Coolness“) bei (vgl. SEIFERT, A., 2011).

Kulturschule Baden-Württemberg

Obwohl die Bedeutung von Kunst und Kultur für das Lernen und Leben in Schule schon lange erkannt ist, sind diese im schulischen Alltag von Kindern und Jugendlichen noch immer zu wenig verankert. Dabei steckt Kreativität, die entsprechend geweckt werden will, in jedem Menschen. Im Sinne der „6 C's“ ist sie eine der Schlüsselkompetenzen, die Schüler/innen für das 21. Jahrhundert brauchen, um innovative Lösungen für immer komplexere Probleme zu finden. Etwas, das Algorithmen nicht leisten können. Die Karl Schlecht Stiftung engagiert sich deshalb dafür, dass Schulen kulturelle Bildung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen und sich zu einer „Kulturschule“ entwickeln können. Kulturschulen möchten ein kreativeres Lernen in allen Schulfächern und damit eine lernförderliche Schulkultur erreichen. Damit sind Kulturschulen prädestiniert, die Persönlichkeit ihrer Schüler/innen zu fördern und gleichzeitig mehr „Schulglück“, „Lernfreude“ und „Well-Being“ (Wohlempfinden) - auch bei Lehrkräften - zu ermöglichen (BUROW, A.-O., 2011, KLOPSCH, B., 2020). „Da vergisst man, dass man in der Schule ist“, bringt eine Schülerin einer Kulturschule es treffend auf den Punkt.

Philosophieren in der Schule

Um sich in einer immer komplexer werdenden Welt orientieren zu können, ist es wichtig, dass Kinder schon frühzeitig lernen, eigenständig zu denken, sich selbst und die Erwartung anderer zu reflektieren sowie eine Haltung der Neugier und des kritischen Hinterfragens zu entwickeln. Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD, betont in diesem Zusammenhang auch, dass es heute in der Schule weniger darum gehen sollte, die richtigen Antworten zu geben, als vielmehr die richtigen Fragen zu stellen. (vgl. SCHLEICHER, A., 2019). Genau das ist einer der wichtigen Aspekte des Philosophierens in der Schule. Denn beim Philosophieren geht es darum, unvoreingenommen über grundsätzliche Fragen an die Welt und des Menschseins nachzudenken. Durch die Methode der philosophischen Gesprächsführung entwickeln Kinder schon sehr frühzeitig die Kompetenz des kritischen Denkens („Critical Thinking“). Sie schärfen damit ihr Urteilsvermögen und stärken ihr Selbstvertrauen. Das Philosophieren fördert obendrein die Fähigkeit, mit Ungewissheit und Unsicherheit umzugehen. „Gerade in diesen Krisenzeiten“, betont die Rektorin der Grundschule Schuttertal und Modellschule „Philosophieren mit Kindern“, „ist das Philosophieren wichtiger denn je.“

Fazit

Die Stärkung der Persönlichkeit junger Menschen muss angesichts der radikalen Veränderungen unserer digitalisierten Welt verstärkt in den Mittelpunkt der schulischen Bildung des 21. Jahrhunderts rücken. Damit Schule zu einem Ort der Persönlichkeits- und Potenzialentfaltung werden kann, braucht sie jedoch einen grundsätzlichen Wandel ihrer Lehr-Lernkultur. Damit verbunden ist dann auch die Chance auf ein positives Schul- und Klassenklima, das Glück, Lernfreude, Resilienz und Well-Being ermöglicht. Viele Schulen und Lehrkräfte haben sich schon auf den Weg gemacht. Soll dieser Wandel in der Breite gelingen, braucht es aber von allen Beteiligten, den Bildungspolitiker/innen, Schulleiter/innen, Lehrkräften, Schüler/innen und Eltern, Offenheit und Mut für Veränderung .

Mehr Informationen zur Karl Schlecht Stiftung finden Sie auf www.karlschlechtstiftung.de

Weitere Fachbeiträge und Best-Practices finden Sie im WorldSkills Germany Magazin, dem Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen.

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Die Förderprojekte der Karl Schlecht Stiftung fördern überfachliche Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. (Foto: Karl Schlecht Stiftung)

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