Populismus und Medien - rege Beteiligung bei Kaminabend

20. Mai 2019

"News, Fakes & Co. - Populismus als Herausforderung für die Medien und den öffentlichen Diskurs"

Das war das Thema des diesjährigen Kaminabends von WorldSkills Germany am Vorabend der Mitgliederversammlung. Gemeinsam mit Dr. Manuel Becker (Geschäftsführer des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn) stiegen Moderator Hubert Romer (Geschäftsführer WorldSkills Germany) und die Anwesenden Gäste in eine rege Diskussion ein.

Populismus - kaum ein Begriff sei so unscharf, betonte Dr. Becker zu Beginn der Gesprächsrunde. Bei den Rechten spiegelt es eine Politik von "Wir" gegen "die Anderen" wider, bei den Linken sei es ein "Wir" gegen "die da oben", das gemeine Volk gegen die Elite.
Die Medien spielen hierbei eine wichtige Rolle, denn inzwischen ist der neutrale Journalismus in vielen Bereichen einem "Haltungsjournalismus" gewichen. Den klassischen Kommentar, der subjektiv einordne, gäbe es noch, allerdings kommt auch in der normalen Berichterstattung die Meinung des Journalisten immer öfter heraus. Man muss die Trennung von Meinung, Fakten und Hintergrundinformationen verstehen können.

Modernisierungsgewinner und Modernisierungsverlierer

Um so wichtiger seien Medienkompetenzschulungen. "Nicht der Informationsmangel ist heutzutage mehr das Problem, sondern der Overload ist die Herausforderung", so Dr. Becker. "In Zeiten, in denen binnen Sekunden Neuigkeiten und Meinungen im Internet verbreitet werden können, müssen die Menschen lernen, was verlässliche Quellen sind und wie genau man nach Informationen recherchiert." Diese Schnelligkeit ist mittlerweile ganz normal und wird künftig noch mehr zur Herausforderung. "Die Entwicklung zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert entspricht etwa der Entwicklung zwischen dem 19. Jahrhundert bis heute. Und von heute an wird sich alles noch schneller ändern." So gebe es Modernisierungsgewinner, aber eben auch Modernisierungsverlierer. Sie haben Angst vor dem Wandel, ihnen geht alles zu schnell und so fühlen sie sich leicht abgehängt. Sie verfallen in eine Art Lethargie. Ihnen ist vieles egal, weil sie sowieso nicht mehr mitkommen.

Demokratieskeptiker und Demokratielethargiker

So ergeht es auch vielen in unserer Demokratie. Die Demokratielethargiker haben keine Lust auf politische Partizipation, auch, weil sie denken, ihre Meinung, gerade bei Wahlen, wäre eh nicht wichtig und würde in der Masse untergehen. Kritisch sehe Dr. Becker dabei die steigende Zahl der Demokratieskeptiker, also Menschen, die die demokratisch-freiheitliche Grundordnung überwinden wollen. "Ich sehe die Demokratie nicht kurz vor dem Kollaps", so Dr. Becker. "Mit den Frustrierten kann ich leben, aber es dürfen eben nicht zu viele werden."
In diesem Zusammenhang kamen die Anwesenden auch über die teilweise als langweilig empfundenen Bundestagsdebatten und deutsche Streitkultur sowie die "Entfernung" der Politiker vom Volk ins Gespräch. Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, betonte, dass Politik nicht nur aus Bundestagsabgeordneten bestehe. "Politik findet in jedem Ort statt. Überall engagieren sich ehrenamtlich Menschen für die Gemeinschaft, für ihre Nachbarn", so Romer. "Wenn man auf Parteien schimpft, tut man den vielen Engagierten, die sich täglich im Kleinen für ein besseres Leben ihrer Mitmenschen einsetzen, Unrecht."

Im Laufe des Abends wurden auch Themen wie die bevorstehende EU-Wahl und der Erfolg Trumps in den USA sowie den Einfluss der Medien und sozialen Netzwerke auf die Wahl in den USA und Entscheidungsprozesse auch hierzulande angesprochen. An der regen Diskussion und großen Beteiligung der Anwesenden wurde deutlich, wie wichtig es ist, über die Bedeutung der Medien, Demokratie und gesellschaftliche Entwicklungen zu sprechen. WorldSkills Germany ist es ein großes Anliegen, auch hierzu einen Beitrag zu leisten und eine entsprechende Plattform zum Austausch zu bieten.

Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Becker für die sehr interessanten Fakten und Einblicke in die Thematik und auch bei allen Anwesenden für die rege Beteiligung an der Diskussion.

Gesprächsgast Dr. Manuel Becker (links) und Moderator Hubert Romer (rechts) gingen im Gespräch auf die vielen Anmerkungen der Anwesenden ein.

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