Sieben Fragen an Tim Raue

26. Oktober 2021

Dieser Beitrag erschien auch im WorldSkills Germany Magazin – Ausgabe 20 (August 2021). Lernen Sie unser Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen kennen >>

Für mich kam damals nur der Beruf des Kochs in Frage und heute würde ich es genauso wieder machen“, sagt Sternekoch Tim Raue. Der 47-Jährige wuchs in einfachen Verhältnissen auf und streunte mit einer Jugendbande durch Berlin. Die Ausbildung zum Koch war für ihn der Beginn einer Karriere in der Spitzengastronomie. 2010 eröffnete er gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Marie-Anne Wild in Berlin das Restaurant „Tim Raue“, das mit zwei Michelin Sternen und 19,5 Gault & Millau-Punkten ausgezeichnet wurde, der „Höchstnote für die weltbesten Restaurants“. Der Koch und Unternehmer ist außerdem Kulinarischer Berater der Brasserie Colette in Berlin, Konstanz und München, der Villa Kellermann und der Hanami by Tim Raue Restaurants auf vier Schiffen der TUI Mein Schiff Flotte. Seit 2015 ist er regelmäßig im TV zu sehen, z. B. in „Kitchen Impossible“ oder „The Taste“.

1. Welche Bedeutung hatte es für Sie persönlich, eine Ausbildung als Koch zu absolvieren?
Meine Ausbildung war elementar. Die duale Ausbildung hat dafür gesorgt, dass ich ein sehr solides Basiswissen bekommen habe. Mein persönliches Engagement hat es mir dann ermöglicht, darüber hinaus Praktika in verschiedenen Länderküchen und der Top-Gastronomie zu machen.

2. Wo holen Sie sich Inspirationen für neue Gerichte?
Ich liebe visuelle Reize: Kunst und Fashion und vor allem Reisen inspirieren mich am meisten.

3. Als Koch und Unternehmer sind Sie vielleicht auch Situationen ausgesetzt, die Ihnen Angst machen. Wie begegnen Sie ihr?
Angst ist der schlechteste Ratgeber, man sollte sich umgehend frei machen von Angst und das, was da auf einen zukommt und übermächtig erscheint, als Herausforderung sehen. Und mit jeder Herausforderung wird man sich seiner selbst, seines Weges und seiner Ziele sicherer, was dazu führen kann, sich zielstrebig und stetig weiterzuentwickeln und besser zu werden.

4. Sie machen sich stark für junge Menschen und deren Förderung. Wie können speziell dafür sorgen, dass Auszubildende gern im Unternehmen arbeiten und diesem auch nach der Ausbildung lange verbunden bleiben?
Wir haben uns vorgenommen, Auszubildenden schnell Verantwortung und Ziele zu übertragen. Wir möchten, dass sie sich in dem von uns gesetzten operativen Rahmen bewegen können und sich ihre Leistungsgrenzen stets erweitern. Das Gefühl zu vermitteln, dass man stets eine Lösung findet, und das am besten im Team, stärkt die Entwicklung des Einzelnen.

5. Am liebsten koche ich …
… nicht und gehe mit den liebsten Menschen und meinen Freunden essen! Ich bin total gerne Gast.

6. Wettbewerbe für Köchinnen und Köche gibt es einige, so auch bei den EuroSkills und WorldSkills. Wenn Sie Meister in einem eher kuriosen Wettbewerb werden könnten, welchen Wettkampf würden Sie gern einmal gewinnen?
Ich kämpfe jeden Tag gegen mich selbst, versuche das Niveau immer weiter zu erhöhen bzw. zu stabilisieren. Andere Wettkämpfe brauche ich da gar nicht mehr.

7. Warum sollten, Ihrer Meinung nach, junge Menschen eine berufliche Ausbildung starten? Oder sollten sie direkt studieren gehen?
Ich finde, zu viele Menschen machen Abitur und viele studieren dann so vor sich hin. Das sind die jungen Menschen, die im Handwerk fehlen. Wenn sie aktuell Maler/in und Lackierer/in lernen würden, könnten sie sich aussuchen, in welchem Top-Betrieb sie arbeiten möchten und werden sehr gut bezahlt. Wenn sie später nach dem Meister einen eigenen Betrieb eröffnen würden, könnten sie sich vor Aufträgen nicht retten.

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Foto: Nils Hasenau

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