Stiftungen sollen sich endlich kümmern

19. April 2022

Die Politik sollte den Auftrag erteilen, die berufliche Bildung ins Programm aufzunehmen

Dieser Beitrag erschien in Auszügen im WorldSkills Germany Magazin – Ausgabe 19 (April 2021). Lernen Sie unser Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen kennen >>

Haben die parteinahen Stiftungen blinde Flecken bei der Berufsbildung? Wir haben die Parteienstiftungen der Bundesrepublik Deutschland nach ihren Ansichten, Wünschen und Visionen rund um die berufliche Bildung gefragt. Am Ende des Beitrags finden Sie auch einen Kommentar von Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, zu den Rückmeldungen der Stiftungen.

Was haben die Arbeiterkämpferin Rosa Luxemburg, der Schriftsteller Heinrich Böll und Altbundeskanzler Konrad Adenauer gemeinsam? Alle haben Gesellschaft und Politik der Bundesrepublik zu ihren Lebzeiten nachhaltig geprägt. In ihrem Namen geschieht das heute noch, denn alle drei sind Namensgeber einflussreicher Stiftungen, die den Parteien des deutschen politischen Systems nahestehen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist eng mit der CDU verknüpft, während Die Linke Rosa Luxemburg und Bündnis 90/Die Grünen Heinrich Böll jeweils als Stiftungspatron ausgewählt haben. Auch die anderen Parteien des Bundestags haben eigene politische Stiftungen gegründet.

Per Gesetz sind die Stiftungen allerdings von ihren nahestehenden Parteien finanziell und organisatorisch unabhängig. Laut Bundeszentrale für politische Bildung sollen sie einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung in Deutschland leisten und durch die Vermittlung politischer Bildung das demokratische Bewusstsein und das politische Engagement der Bürgerinnen und Bürger in allen Gesellschaftsschichten fördern.

Ihre Bildungsmaßnahmen sind vielfältig und werden größtenteils mit öffentlichen Geldern finanziert. Sie führen Studien durch, geben Kurse und richten Symposien aus. Sie schalten sich mit ihren Expertinnen und Experten in politische Debatten ein und verteilen Stipendien an talentierte Studierende und Doktoranden. Das Bundesinnenministerium bezeichnet sie als „wichtigen Wirkhebel der gesellschaftlichen und demokratischen Bildungsarbeit“.

Wo ist die berufliche Bildung?
Doch wie ist es um das Verhältnis der parteinahen Stiftungen zur Berufsbildung bestellt? Das haben wir die parteinahen Stiftungen gefragt. Die Ergebnisse waren dabei ebenso unterschiedlich wie die Resonanz auf unsere Anfrage. Während uns manche Stiftungen zum Interview baten, antworten andere lieber schriftlich. Hier die Rückmeldungen in alphabetischer Reihenfolge.

Über die folgenden Buttons können Sie direkt zu den Antworten der einzelnen Stiftungen springen.

Desiderius-Erasmus-Stiftung (AfD) Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP) Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) Hans-Seidel-Stiftung (CSU) Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen) Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU) Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke))

 

Desiderius-Erasmus-Stiftung (AfD)

Die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung antwortete auf unsere Anfrage mit Auszügen ihrer Satzung, der zufolge es Kernaufgabe der Stiftung ist, politische Bildung in ihrer ganzen Breite zu vermitteln. Die berufliche Bildung gehöre lediglich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zu den satzungsgemäßen Aufgaben. Erika Steinbach, Vorsitzende des Stiftungsvorstands, betont aber, dass die berufliche Bildung „ein ganz wichtiger Bereich für eine gute Zukunft unseres Landes und seine wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit“ sei. Sie dürfe nicht zugunsten einer vollständigen Akademisierung vernachlässigt werden. Steinbach weiter: „Deshalb ist es gut und nötig, dass es in Deutschland gute Berufsbildungswerke gibt. Zum Bereich der beruflichen Bildung gehört aber auch ergänzend politische Bildung dazu. Dafür steht unsere Stiftung für jedermann offen.“

 

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP)

Benannt nach einem liberalen Politiker zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs hat sich die Friedrich-Nauman-Stiftung für die Freiheit (FNF) das Thema Freiheit in den Namen und auf die Fahne geschrieben. „Ich glaube, dass politische Bildung ein Teil der Pflichtbildung eines jeden Bildungswegs sein sollte“, sagt Michael Postel, Leiter des Themengebiets Kommunikation, Management und Digitale Bildung an der Theodor-Heuss-Akademie, die der FNS angehört. Er sieht bei der Politik Nachholbedarf, besser mit Berufsschulen und Azubis in Kontakt zu treten. Der Ball liege ausdrücklich bei der Politik und nicht bei Stiftungen, die sich mit politischer Bildung befassen.

„In jedem Bildungsweg, in dem wir das nicht anbieten, verlieren wir Leute langfristig für den politischen Diskurs. Wenn wir die berufliche Bildung vernachlässigen, errichten wir nur ein Fundament dafür, dass später uninformiert und frustgetrieben argumentiert wird Deswegen arbeite seine Stiftung mittels der Theodor-Heuss-Akademie vermehrt- ohne Verständnis für die Meinungen anderer.“ mit Berufsschulen zusammen, um die politische Bildung auch in Einrichtungen der beruflichen Bildung voranzutreiben, so Postel.

So haben Berufsschulen die Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler für mehrtätige Seminare an die Akademie zu schicken, wo sie in Planspielen, Seminaren oder Bewerbungstrainings über Kernfragen von Demokratie und politischer Kultur aufgeklärt werden. Pro Jahr nehmen rund 800 bis 1.000 Jugendliche an diesen Seminaren der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach teil – rund 150 davon kamen 2019 aus der beruflichen Bildung. Die Kooperationen mit den Berufsschulen würden zum Teil schon erfolgreich seit mehreren Jahren laufen, sagt Postel. Bei den Berufsschülerinnen und – schülern käme es dabei regelmäßig zu „politischen Erweckungserlebnissen“. „Wir bieten mit unserer Arbeit das Forum für den politisch neutralen Austausch, indem wir in unseren Veranstaltungen verschiedene politische Seiten darstellen aber nicht bewerten. Die Schüler haben die Möglichkeit, selbst zu sprechen, ohne dass eine bestimmte Antwort von ihnen erwartet wird.“ So bilde sich bei den Jugendlichen aus Unmut und Politikverdrossenheit schnell eine politische Meinung zu bestimmten Themen. „Und diese Meinung muss ausdrücklich nicht der Meinung FDP entsprechen“, sagt Postel.

 

Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD)

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) entlehnt ihren Namen dem ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik und ehemaligen SPD-Vorsitzenden. Laut einem schriftlichen Statement der FES-Pressestelle ist die Stiftung im Jahr 1925 auf der Überzeugung gegründet worden, „dass die Förderung junger, begabter aber materiell benachteiligter Menschen zur Erlangung einer akademischen Ausbildung, eine wichtige Grundlage für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft darstellen kann“. Das gelte auch heute für die Förderung von Studierenden. Da die berufliche Bildung nicht zu den satzungsgemäßen Zielen der FES gehört, könne sie deshalb auch nicht vernachlässigt werden. Verschiedene FES-Publikationen aus dem Themenfeld „Bildungspolitik“ würden jedoch ab und an Fragen der beruflichen Aus- und Fortbildung streifen, beispielsweise Veröffentlichungen zum Weiterbildungs-BAföG oder zur Finanzierung von Ausbildung. Zwar hätten die Autorinnen und Autoren dieser Studien möglicherweise individuelle Visionen für die berufliche Bildung der Zukunft entwickelt. Eine entsprechende abgestimmte Positionierung der Friedrich-Ebert-Stiftung gebe es dazu aber nicht.

 

Hanns-Seidel-Stiftung (CSU)

Die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), benannt nach einem ehemaligen CSU-Parteivorsitzenden, schätzt die berufliche Bildung als „extrem wichtigen Teil der Bildung in Deutschland“. Das Duale System sei ein bis heute „weltweit einzigartiges Konzept“, das einen bedeutsamen Anteil an der Wirtschaftskraft Deutschlands habe, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf unsere Anfrage. Auch die CSU-nahe Stiftung verweist bei der Frage, warum sich ihre Förderung auf den akademischen Bereich beschränkt, auf ihre Satzung und die Rahmenbedingungen der Mittelgeber: Der Stiftungsauftrag sei die Förderung von Studierenden und Promovierenden. Für Begabte im Bereich der beruflichen Bildung gebe es andere Stiftungen, die diesen Bereich in ihrem Fokus haben.

Die HSS bietet laut eigenen Angaben aber politische Bildungsseminare für bestimmte Berufsgruppen an, beispielsweise staatsbürgerliche Bildung für Lehrer und Erzieher, Polizisten, Soldaten und Verwaltungsbeamte. Auch Studierende, die für ein Lehramt an beruflichen Schulen studieren, würden finanziell und ideell unterstützt.

Seit 1983 sei die HSS zudem in China in der Entwicklung und Reform der Berufsbildung engagiert. „Wir arbeiten mit Berufsschulen, Berufsausbildungszentren und den lokalen Bildungsämtern in mehreren Provinzen, darunter Shanghai, zusammen. Schwerpunkte hierbei sind die Weiterbildung von Schulleitern und Lehrern, der Bildungstransfer in die strukturschwachen Regionen und der fachliche Austausch mit Bayern und Deutschland“, erklärt HSS-Pressesprecher Hubertus Klingsbögl schriftlich. Für die Zukunft rechnet er damit, dass die berufliche Bildung stark durch die Digitalisierung geprägt sein wird. Entscheidend werde es sein, junge Menschen zu motivieren, eine berufliche Ausbildung zu beginnen.

 

Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen)

Auch die Heinrich-Böll-Stiftung antwortet schriftlich und gibt an, in den letzten Jahren verschiedene Projekte und Initiativen zum Thema berufliche Bildung auf den Weg gebracht zu haben, „insbesondere an der Schnittstelle zur beruflichen Weiterbildung und mit Blick auf die digitale Transformation in der Berufs- und Arbeitswelt“.

Berufliche Bildung sei Gegenstand der fachlichen Arbeit der Stiftung, so Pressesprecherin Vera Lorenz. Dazu zählten fachwissenschaftlich basierte Analysen und Tagungsformate, die sich vorrangig an eine Fachöffentlichkeit richten würden. Die Stiftung bringe als „Schnittstellenakteurin“ fachwissenschaftliche Expertise, Praktikerinnen und Praktiker sowie politische Gestalterinnen und Gestalter zusammen. Daran angebunden seien für die Öffentlichkeit bestimmte Bildungsmaterialien und -formate wie Podcasts, Videostreams, Talk-Formate, Online-Dossiers und Policypaper, die „das Thema Weiterbildung in diversen Facetten beleuchten“.

Berufsbildnerinnen und -bildner seien zudem eine wichtige Zielgruppe der Bildungsarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie bietet spezifische Bildungsmaterialien an, die sich dezidiert an Berufsschülerinnen und -schüler richten und dabei spielerisch zentrale Inhalte der Böll-Bildungsarbeit vermitteln. Die Stiftung versucht hier mittels Gaming die Schülerschaft zu erreichen. Ein Beispiel dafür ist das digitale Lern- und Erfahrungsspiel „EinLeben“, das im Unterricht ab Klasse 10 eingesetzt werden kann und soziale Herkunft, Zufriedenheit und Entscheidungsspielräume thematisiert.

Bei der Begabtenförderung sei man durch den Mittelgeber in den Fördermöglichkeiten auf den akademischen Bereich beschränkt. Man kooperiere aber eng mit der Stiftung Berufliche Begabtenförderung (sbb), so Lorenz, beispielsweise im Rahmen der Auswahlverfahren.

 

Konrad Adenauer Stiftung (CDU)

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) trägt nicht nur den Namen des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, sondern war auch die erste Stiftung, die sich zu einem Interview zum Thema berufliche Bildung bereit erklärte. Felise Maennig-Fortmann, zuständig für Bildungspolitik und Elisabeth Hoffmann aus dem Bereich „Jugend und Gesellschaft“ betonen im Gespräch, dass die Gleichwertigkeit beruflicher Bildung bei der KAS „immer mitgedacht“ wird. So sei bei Symposien zu Bildungsfragen, die von der Stiftung ausgerichtet werden, auch immer ein Vertreter der beruflichen Bildung mit eingeplant. „Ich habe das Gefühl, dass die Berufsschullehrer oft zu kurz kommen. Wir hören am meisten über die Situation an Gymnasien. Über Berufsschulen hört man ganz wenig“, so Maennig-Fortmann. Die berufliche Bildung sei Teilthema verschiedener KAS-Publikationen, beispielsweise der „10 Thesen für eine bessere Bildungspolitik“.

Beim Thema Begabtenförderung geben beide zu verstehen, dass die Stiftung ihre Stipendiengelder aufgrund der Vorgaben des Zuwendungsgebers nicht für Auszubildende einsetzen dürfe. Das sei keine Entscheidung der Konrad-Adenauer-Stiftung, sondern so vorgegeben. „Wir als Stiftung hätten Interesse daran, stärker im Bereich berufliche Bildung zu fördern, derzeit dürfen wir das aber nicht“, sagt Felise Maennig-Fortmann. Mit der Stiftung Begabtenförderung Berufliche Bildung gebe es aber Kooperationsseminare, an denen Stipendiatinnen und Stipendiaten der KAS und der sbb teilnähmen. Für die Zukunft sei zu überlegen, wie die Förderung begabter Menschen aus der beruflichen Bildung noch intensiviert werden könne. „Wenn wir von Bildungsgerechtigkeit sprechen muss der eine Bereich erhalten werden und der andere noch weiter ausgebaut. Es geht nicht um entweder oder.“

Die KAS habe die Berufsbildung stets auf dem Radar, betont Elisabeth Hoffmann. So sei man beispielsweise eine der ersten gewesen, die auf die Möglichkeit eines Azubitickets hingewiesen haben, nach dem Vorbild in Hessen. „Das sind kleine Nischen, die wir als Stiftung aufspüren können. So können wir ein bisschen mehr Augenhöhe mit Studierenden schaffen. Wir können von jungen Menschen in einer Ausbildung nicht erwarten, deutlich weniger Ansprüche zu stellen. ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘ - das gilt heute nicht mehr.“

In Zusammenarbeit mit dem Kolpingverband habe man sich dazu dafür eingesetzt, das Jugendwohnen für Azubis zu verbessern. So wollte die Stiftung dazu beitragen, die Passungsprobleme auf dem Arbeitsmarkt ein wenig zu verringern und die Jugendmobilität innerhalb Deutschlands zu stärken. Generell müsste, so Maennig-Fortmann, politisch mehr dafür getan werden, die berufliche Bildung attraktiver für junge Menschen zu machen. Beispielsweise sei das durch internationale Austauschprogramme möglich oder eine Gehaltsverbesserung für bestimmte Karrierewege, die mit einem Ausbildungsberuf beginnen.

 

Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke)

Jane Angerjärv, Direktorin des Studienwerks der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), erklärt uns auf schriftlichem Weg, dass der Fokus der Stiftung auf der Förderung des akademischen Nachwuchses liege. Überschneidungen mit der Berufsbildung kämen in der Stiftungsarbeit vor, wenn zum Beispiel Personen auf dem zweiten Bildungsweg zum Studium oder zur Promotion gelangen, oder wenn sie nach dem Studium einen nichtakademischen Beruf ergreifen. Die Förderung der beruflichen Bildung läge jedoch grundsätzlich bei der Stiftung Berufliche Begabtenförderung.

Neben der eigenen Ausbildungstätigkeit bietet die RLS Veranstaltungen zu Selbstorganisation, Moderationstechniken oder zur Vernetzung von Interessenvertreterinnen und -vertretern an und möchte damit gezielt die Befähigung zu politischem Handeln stärken, schreibt uns Silke Veth, Direktorin der Akademie für Politische Bildung, die der Stiftung angehört. „Bildung – in jeder Ausprägung und in jedem Bereich – soll immer auch zur Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen und zur positiven Entwicklung der Gesellschaft beitragen. Beruflicher Bildung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn sie sichert die Existenz und ist damit grundlegend für gesellschaftliche Teilhabe.“

Veth findet, dass sich die aus der „kapitalistischen Gesellschaftsordnung“ entstehenden Ausschlüsse, Ungleichheiten und ökologischen Folgen in vielen persönlichen Erfahrungen von Auszubildenden wiederfinden. Hier liege der Schlüssel, berufliche Bildung zu einer Chance für gesellschaftliche Teilhabe und Gestaltung zu machen: „Unsere Vision ist die einer Gesellschaft der Vielen, einer sozial-ökologischen Transformation unseres Lebens und Arbeitens. Dazu müssen auch in der beruflichen Bildung diese Themen auf die Agenda geholt und Handlungsfähigkeit erworben werden.“ Curricula müssten um eine intersektionale Perspektive auf Ausbildungsbetriebe und an der Ausbildung beteiligte staatliche Institutionen erweitert werden, so Veth.

Stiften oder stiften gehen?

Ein Kommentar von Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, zu den Rückmeldungen der Stiftungen:

„Die Antworten einiger Stiftungen erstaunen doch sehr, wenn man diese aus Sicht der beruflichen Bildung auswertet. Auch wenn es nicht in der Satzung steht: Natürlich dürfen sich die politischen Stiftungen mit der beruflichen Bildung beschäftigen, thematisch und sogar ganz praktisch. So können sie nicht nur Veranstaltungen zu diesem Thema durchführen, sondern auch z. B. Berufsschulklassen gezielt zu ihren Veranstaltungen einladen. Zudem gilt ja für die politischen Stiftungen das Prinzip, dass ihre Veranstaltungen für alle offen stehen. So tun sie dies auch mit Blick auf die Studienförderung. Wo genau ist hier also der Unterschied? Gerade, wenn eine der Stiftungen schreibt: ‚Der gerechte Zugang zu Bildungschancen ist deshalb ein wichtiges Anliegen unserer Studienförderung. Ohne Unterstützung fällt es vielen jungen Menschen schwer, sich an einer Hochschule zu behaupten, obwohl sie Talent dafür haben. Hier leisten wir einen Beitrag.‘ (Quelle: https://www.fes.de/studienfoerderung). Warum dann nicht auch für die berufliche Bildung eine solche Förderung vornehmen? Es ist wünschenswert, dass auch die Stiftungen in der Gegenwart ankommen und die Gleichwertigkeit und Chancengleichheit der beruflichen Bildung als parallelen Strang zur akademischen Bildung entdecken, genauso wie die Durchlässigkeit der Bildungsketten.“

Ungleichgewicht bei der Begabtenförderung der Stiftungen
In Deutschland gibt es 13 Förderungswerke, die Stipendien an Studierende und Promovierende vergeben – sechs der parteinahen Stiftungen gehören dazu. Die Förderung der beruflichen Bildung ist hingegen ausschließlich bei der Stiftung Berufliche Begabtenförderung (sbb) angesiedelt. Ein FDP-Antrag im Bundestag forderte 2019 den „Ausbau der Hochbegabtenförderung in der beruflichen Bildung“. Neben einer Mittelerhöhung für die sbb, sollten sich die vom Bund finanzierten Stiftungen der Förderung für Talente der beruflichen Bildung öffnen. Das Ziel: Mittelfristig sollten 10 Prozent der Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftungen aus der beruflichen Bildung stammen. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Großen Koalition und der Linken abgelehnt.

Eine Übersicht der parteinahen Stiftungen des Bundesinnenministeriums finden Sie hier >>

Weitere Fachbeiträge und Best-Practices finden Sie im WorldSkills Germany Magazin, dem Fachmagazin für Talentmanagement, berufliche Wettbewerbe und außerschulisches Lernen.
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